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Schau aufs Land steht für nachhaltiges Campingreisen. Dabei bekommen wir sehr häufig die Frage gestellt “nachhaltig Reisen mit dem Wohnmobil, was ist daran denn bitte nachhaltig?” Das ist eine gute und wichtige Frage, und auf diese möchte ich in diesem Blogpost eingehen.

“Jede bislang bekannte Form der Mobilität verursacht zwangsläufig Umweltbelastungen. Allein das Ausmaß der Belastung ist veränderbar”.

Dieses Zitat habe ich aus einem Artikel, indem es um Elektromobilität und deren Batterien ging und seitdem begleitet es mich. Beim Reisen mit dem Camper ist es eindeutig: Wir fahren mit einem Verbrennungsmotor durch die Gegend, was natürlich zu Umweltbelastungen führt. Somit kann man mit einem Camper zwar nicht 100% nachhaltig unterwegs sein, dafür aber nachhaltiger.

 

Der Vergleich

Als erstes stellt sich immer die Frage, mit was für Alternativen man es vergleicht. Im Vergleich zu einer Flugreise nach New York, ist das Reisen mit dem Camper in Europa, oder noch besser, im eigenen Land wesentlich nachhaltiger. Im Vergleich mit einer Fahrradtour durch Österreich, eher nicht. Wobei es bei Alternativen auch immer darauf ankommt, wo im Urlaub denn genächtigt wird. Denn mit einem ausgestatten Reisemobil ist man auf sehr wenig angewiesen, hat man ja seine Unterkunft und Küche stets dabei. Ein Hotel hingegen verbraucht viele Ressourcen und Energie und trägt so auch maßgeblich zur Umweltbelastung bei. Eine interessante Studie des Öko Institut e.V. geht genau auf diesen Vergleich ein. Schaut doch mal rein.

Was kann ich also tun, um nachhaltiger unterwegs zu sein? Wir haben hier 11 Tipps für euch.

 

11 Tipps, um nachhaltiger mit dem Reisemobil unterwegs zu sein

Vorneweg, ich glaube wir sind uns einig: Das Reisen mit dem Wohnmobil hat zwangsläufig negative Auswirkungen auf unsere Umwelt. Daher sollten wir schauen, dass wir diese so gering wie möglich halten:

1. Spritverbrauch senken und damit CO2-Emissionen reduzieren

Die größte Umweltbelastung kommt leider von dem Treibstoff, den wir alle brauchen, um überhaupt von A nach B zu kommen. Deswegen sollten wir schauen, dass wir den Verbrauch so gering wie möglich halten. Und so ist es möglich:

Konstante und gemütliche Fahrweise

Wenn es um Spritverbrauch geht, kann die eigenen Fahrweise einen großen Unterschied machen. Beim häufigen Beschleunigen und bei einer schnellen Fahrweise steigt der Spritverbrauch enorm an. Wenn möglich also ein konstantes und gemütliches Tempo fahren. So ist z.B. bei 130 km/h der Spritverbrauch im Schnitt um 1/3 höher als bei 100 km/h.

Optimaler Reifendruck

Ein zu niedriger Reifendruck führt zu einem höheren Rollwiderstand und damit zu einem erhöhten Spritverbrauch. Bereits 0,5 bar zu niedrig führt bis zu 5% mehr Spritverbrauch.

Auf die Aerodynamik achten

Dachbox, Surfbretter, Boote, Fahrräder … umso mehr auf dem Dach oder am Heck, umso mehr steigt der Spritverbrauch, vor allem bei erhöhtem Tempo.

Eine Dachbox führt z.B. zu einem Mehrverbrauch von bis zu 20%. Bereits ein leerer Dachgepäckträger ohne Ladung führt zu 10% mehr Spritverbrauch. Wenn möglich, also eher die Dinge im Wohnmobil transportieren und nicht auf dem Dach, oder – wie oben schon erwähnt – mit einem gemütlichen Tempo unterwegs sein.

Gewicht reduzieren

Alles, was nicht unbedingt im Urlaub mit dabei sein muss, sollte man auch nicht mitnehmen. Pro zusätzliche 100 Kilogramm Gewicht steigt der Verbrauch um etwa 0,3 Liter.

Motor bei längeren Wartezeiten ausschalten

Steht man im Stau oder an einem Bahnübergang, lohnt es sich häufig den Motor auszuschalten. Der Verbrauch im Leerlauf liegt bei ca. 0,8 – 1,5 Liter pro Stunde.

Klimaanlage und Heizung

Die Klimaanlage sowie die diversen Heizsysteme (Sitz-, Heckscheiben-, Außenspiegelheizung etc.) brauchen Strom, welche durch den Mehrverbrauch von Sprit erzeugt wird. Das kann je nach Bedingung zwischen 5 und 20% mehr Spritverbrauch ausmachen. Diese also wenn möglich nur dann nutzen, wenn sie auch wirklich gebraucht werden.

Kurzstrecken vermeiden

Vermeidet am Zielort Kurzstrecken mit dem Reisemobil. Nehmt euch wenn möglich Fahrräder mit (bei kurzem Anreiseweg) oder leiht euch welche vor Ort (bei langem Anreiseweg).

2. Die ausgestoßenen CO2-Emissionen kompensieren

Auch beim Einsparen fallen am Ende dennoch bei jeder Reise zwangsläufig CO2-Emissionen an. Diese können jedoch durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten kompensiert werden. Die ausgestoßenen CO2-Emissionen sind dadurch zwar nicht weg, werden durch die umgesetzten Projekte jedoch in Zukunft eingespart. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, dass man schaut, die CO2-Emissionen so gering wie möglich zu halten. Denn wir müssen den Klimawandel jetzt bekämpfen und nicht erst in Zukunft. Hier findest du mehr über das Thema Klimakompensation.

3. Das Reiseziel der Reisezeit anpassen

Umso weiter man in die Ferne fährt, umso mehr Zeit sollte man auch für seine Reise einplanen. Die weite Strecke führt zu einer höheren Belastung der Umwelt, deswegen sollte sich die Reise auch lohnen. Am umweltfreundlichsten ist natürlich eine Reise im eigenen Land, deswegen sollte auch das immer wieder eine Option sein.

4. Solarenergie nutzen

Im Reisemobil brauchen wir in der Regel weniger Strom als Zuhause. Durch die Nutzung der Sonnenenergie haben wir die Möglichkeit, mit unserem Wohnmobil autark zu werden. Ein Photovoltaikmodul, sei es mobil oder fest verbaut, ermöglicht es länger an einem Ort zu verweilen, ohne an die Steckdose zu müssen.

 

5. Ökologische Kosmetik und Reinigungsmittel verwenden

Jede benutzte Kosmetik und jedes Reinigungsmittel landet irgendwann in unserem Grundwasser. Viele konventionelle Produkte führen dabei langfristig zu großen Schäden. Gerade Mikroplastik stellt dabei ein großes Umweltproblem dar. Deswegen ist es so wichtig, dass wir bei der Benutzung darauf achten, dass die Mittel ökologisch und natürlich sind.

6. Respektvoll und wertschätzend Reisen

Wenn wir unterwegs sind, sind wir automatisch Gast in der Region oder dem Land, deswegen ist es wichtig, dass wir uns über die Lebensweise und Gewohnheiten der Gastgeber*innen informieren, so z.B. über:

  • Normen und Konventionen
  • Kleidungsvorschriften
  • Umgangsformen
  • Wie und wo gebe ich Trinkgeld
  • Für mich persönlich ganz wichtig, wenn man ins Ausland verreist: lerne ein paar Worte in der Landessprache!

7. Der bereisten Region etwas zurückgeben

Das geht ganz einfach, indem man Regionalität bevorzugt. Sei es beim Übernachten, beim Einkaufen oder beim Essen gehen. Somit trägt man dazu bei, dass das ausgegebene Urlaubsgeld auch den Menschen in der bereisten Region zugutekommt.

8. Müll reduzieren und richtig entsorgen

Gerade wenn es um Plastikmüll geht, gibt es viele Möglichkeiten, diesen zu vermeiden.

  • Benutze beim Einkaufen eigene Sackerl und Obstnetzte
  • Eine eigene wiederauffüllbare Trinkflasche und ein eigener Cafe-To-Go Becher spart ebenfalls Ressourcen
  • In vielen Städten gibt es bereits Unverpacktläden, beim Einkaufen in diesen Läden spart man sehr viel Verpackungsmüll. Eine Übersicht der Unverpacktläden in Österreich findet ihr hier.
  • Verwende wiederverwendbare Küchenutensilien
    • Hochwertiges und langlebiges Campinggeschirr und Aufbewahrungsbehälter
    • Bienenwachstücher anstatt Frischhaltefolie
  • Wenn es die Infrastruktur zulässt, versuche auch beim Reisen Müll zu trennen und richtig zu entsorgen.

9. Nachhaltig einkaufen

Unser Lebensmittelkonsum hat einen großen (negativen) Einfluss auf unsere Umwelt. Rund ein Fünftel der Treibhausgasemissionen in Österreich gehen auf das Konto der Ernährung. Nach Möglichkeit kann man einen großen positiven Beitrag leisten, wenn man beim Einkaufen auf folgende Dinge achtet:

  • Alles zu seiner Zeit – Obst und Gemüse saisonal einkaufen
  • Am besten aus der Region – Regionale Lebensmittel bevorzugen
  • Wenn möglich biologisch – biologische Lebensmittel konventionellen vorziehen
  • Weniger Fleisch, mehr Obst und Gemüse
  • Wenn möglich Lebensmittel direkt ab Hof oder auf dem Bauernmarkt beziehen (Direktvermarktung stärken)

10. Nachhaltige Campingplätze oder Stellplätze nutzen

  • Schaue nach Zertifikaten wie EcoCamping, Österreichisches Umweltzeichen oder Europäisches Umweltzeichen. Diese zertifizieren auch Campingplätze
  • Hier findet ihr eine Übersicht aller zertifizierter Campingplätze in Österreich
  • Bei uns findet ihr idyllische Stellplätze für eine Nacht bei Bio- und anderen nachhaltigen Landwirtschaftsbetrieben in Österreich

11. Selbst aktiv werden

Dass man seinen eigenen Müll wieder mitnimmt, ist ja selbstverständlich. Man kann einen Platzt, wenn nötig, jedoch auch sauberer zurücklassen, als man ihn vorgefunden hat. Damit befreien wir nicht nur die Natur vom Müll, sondern tragen auch allgemein zu einem besseren Image der Camping-Reisenden bei.

  • (Beach)cleanup Initiativen unterstützen
  • Plogging (Joggen und dabei Müll sammeln)
  • Initiative “Nicht wegsehen” gegen sexueller Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen
    auf Reisen und im Tourismus

Habt ihr noch Ideen oder Anregungen, um nachhaltiger mit dem Wohnmobil unterwegs zu sein? Schreibt uns gerne ein Kommentar dazu.

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